Gerade erst hat der neue Film von Alexander Payne bei der Golden-Globe-Verleihung den Preis für das beste Drama bekommen. Nun endlich startet THE DESCENDANTS – FAMILIE UND ANDERE ANGELEGENHEITEN (Start: 26. Januar) auch in den deutschen Kinos. Die mit leisem Humor und viel Wärme erzählte Tragikomödie überzeugt nicht zuletzt durch George Clooney in der Hauptrolle eines Mannes, der, nachdem seine Frau ins Koma gefallen ist, seine Rolle als Vater zweier Töchter völlig neu suchen muss. „Eine meisterlich inszenierte ‚menschliche‘ Komödie“, lobte die FBW und vergab das höchste Prädikat „besonders wertvoll“.

Wie ein tragischer Unfall eine Familie in ihren Grundzügen erschüttert, zeigt auch TAGE DIE BLEIBEN (Start: 26. Januar). In dem beeindruckenden Debütfilm von Pia Strietmann, die auch das Drehbuch geschrieben hat, müssen ein Vater und seine zwei Kinder lernen, ohne die Mutter zu leben und sich als Familie neu zu definieren. Reduzierte Dialoge, starke Bilder und der hart erkämpfte Mut zum Neuanfang erschaffen einen starken Film, dem die fünfköpfige Jury das Prädikat „wertvoll“ verlieh. Im Gutachten heißt es: „Der Film dekliniert auf sehr hohem Niveau die Frage der Schuld, ohne aber Stellung zu beziehen. Bemerkenswert und beeindruckend.“

Mit der John le Carré-Verfilmung DAME KÖNIG AS SPION (Start: 2. Februar) feiert das Genre des klassischen Agententhrillers ein würdiges Comeback auf der großen Leinwand. Ein Netz aus Intrigen, gesponnen aus persönlichen Eitelkeiten oder politischen Großinteressen, dazu undurchsichtige Haupt- und Nebenfiguren – so funktioniert dieser „herausragend inszenierte Film mit großer Besetzung, brillanten Dialogen und gleich bleibender Spannung auf hohem intellektuellem Niveau“. Die begeisterte FBW-Jury zeichnete den Film mit dem Prädikat „besonders wertvoll“ aus.

Ein Mensch, der alles verloren hat, muss sich völlig neu suchen und finden. Von einem solchen Schicksal erzählt der Film von Hans Weingartner, DIE SUMME MEINER EINZELNEN TEILE (Start: 2. Februar). Es geht um Martin, einem brillanten Mathematiker, der nach einem Psychiatrie-Aufenthalt den Weg zurück ins „normale“ Leben verfehlt. Der diesjährige Eröffnungsfilm vom Max-Ophüls-Festival beeindruckt durch starkes Schauspiel und eine genaue Beobachtung gesellschaftlicher Lebensentwürfe und -erwartungen. Die Gutachter der FBW verliehen dem Film, der kunstvoll verschiedene Ebenen von Wunsch und Wirklichkeit miteinander verwebt, das höchste Prädikat „besonders wertvoll“. Die Jury schreibt: „Eindrucksvoll gelingt es Weingartner, den Zuschauer immer weiter in Martins Welt folgen zu lassen.“

The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten Spielfilm, Drama. USA 2011. Filmstart: 26.01.2012

Es ist ein Schock für den hawaiianischen Anwalt Matt King, als seine Frau nach einem Bootsunfall ins Koma fällt. Während er versucht, den Alltag für seine beiden Töchter so normal wie möglich zu gestalten, findet er heraus, dass er lange nicht alles über seine Frau wusste. Und als ob das nicht reicht, muss Matt auch noch entscheiden, an wen ein Stück Land verkauft werden soll, das sich seit Jahrhunderten im Familienbesitz befindet. Regisseur Alexander Payne ist mit seinem langerwarteten neuen Werk ein meisterhafter und sensibel erzählter Film gelungen. Unaufgeregt und fern von jedem Klischee beschreibt Payne eine Familie in einem emotionalen Ausnahmezustand. Die Darsteller sind allesamt grandios, dabei überzeugt George Clooney in der Rolle eines Ehemanns und Vaters, der sich selbst und seine Position in der Familie völlig neu finden muss. Die Bilder der Trauminsel wirken nicht touristisch verkitscht, sondern authentisch. Ein ehrlicher Film über „echte“ Menschen und Konflikte.

Tage die bleiben

Spielfilm, Drama. Deutschland 2011. Filmstart: 26.01.2012

In nur einem einzigen Moment zerbricht die Welt der Familie Dewenter, als Andrea, Ehefrau, Mutter und frisch gebackene Schriftstellerin, Opfer eines Verkehrsunfalls wird. Nach ihrem plötzlichen Tod bleiben ihr Mann und ihre zwei Kinder schockiert zurück, völlig überfordert mit der Aufgabe, sich um ihre Beerdigung zu kümmern. Zudem offenbaren sich in der Aufarbeitung der Trauer auch immer mehr die Zerbrechlichkeit des Familiengebildes und damit verbundene Lebenslügen. Der Vater und die beiden Kinder müssen nun lernen, zueinander zu finden. Trauer und Neuanfang sind die bestimmenden Themen in diesem berührenden Debütfilm von Pia Strietmann. Jeder in diesem Film hat sein Päckchen zu tragen und der Film lässt sich Zeit, um den einzelnen Figuren und deren Innenwelt auch ihren Raum zu geben. Das intensive Spiel der Darsteller sowie die exzellente Kameraführung bringen dem Zuschauer die Gefühle fast dokumentarisch nahe. Am Ende steht die Hoffnung auf einen Neubeginn und die Versöhnung. Ein klug inszeniertes Drama über den Tod und das Weiterleben.

Dame, König, As, Spion

Spielfilm, Thriller. Deutschland, Frankreich, Großbritannien 2011. Filmstart: 02.02.2012

Wir schreiben das Jahr 1973. Der Kalte Krieg zwingt die Geheimagenten von Ost und West, immer mehr Vorsicht vor Doppelspionen walten zu lassen. Zu diesem Zeitpunkt erschüttert den englischen Geheimdienst die Nachricht, es gäbe einen „Maulwurf“ in den eigenen Reihen. Daher wird Ex-Agent George Smiley kurzerhand wieder in den Dienst berufen, um den Verräter zu entlarven. Doch wem kann Smiley jetzt noch trauen? Und wer traut ihm? John le Carrés meisterhafter Spionageroman wird von Thomas Alfredson extrem werkgetreu und mit historischer Authentizität verfilmt. Die Riege der Darsteller liest sich wie ein Who is Who des aktuellen britischen Kinos, bis in die kleinsten Nebenrollen glänzt die hervorragende Besetzung. Der Film kommt mit reduzierter Action aus und lässt sich Zeit, die labyrinthische Handlung zu entschlüsseln. Spannung vermittelt sich vor allem durch starke Dialoge, eine ausgeklügelte Montage und die exzellente Kamera. Ein atmosphärisch dichter und distinguiert britischer Thriller über eine Welt voller „Ehrenmänner“ ohne Moral – schnörkellos genial!

Die Summe meiner einzelnen Teile

Spielfilm, Drama. Deutschland 2011. Filmstart: 02.02.2012

Nach einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Psychiatrie kehrt Martin Blunt ins Leben zurück. Doch alles geht schief. Er bekommt seinen Job nicht wieder, verliert soziale Kontakte und am Ende auch seine Wohnung. Obdachlos und ohne Lebensmut streunt er durch Berlin, bis er auf den 10jährigen Victor trifft. Die beiden schließen sich zusammen und schlagen sich fortan gemeinsam durchs Leben. Eine Hütte im Wald, die sie wohnlich ausbauen, wird zu ihrem Domizil. Doch eines Tages bricht die Zivilisation wieder in Martins Leben ein. Autor und Regisseur Hans Weingartner erzählt die Geschichte zweier Außenseiter, die den Halt im Leben verloren haben und fernab der gesellschaftlichen Konventionen einen eigenen Weg finden. Auch wenn der Film sich streckenweise viel Zeit lässt, nimmt er den Zuschauer mit neuen Ereignissen und Zwischenfällen stets gefangen. Konsequent und präzise schildert Weingartner, Regisseur von DIE FETTEN JAHRE SIND VORBEI, das Schicksal der Protagonisten und macht daran seine prinzipielle Kritik an Institutionen fest. Peter Schneider verkörpert diese gescheiterte Existenz beeindruckend. Ein klug inszeniertes aufwühlendes Drama, das auch durch sein offenes Ende viel Raum für eigene Interpretation und Betrachtungen lässt.

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