„Eine dunkle Begierde“

Eine vielschichtige Studie über die Pioniere der Psychoanalyse, als hintersinniges Historienstück in täuschend klassischem Stil inszeniert, ist es einer der herausragendsten Filme des Jahres. Eine oppulente Geschichte der psychosexuellen Aufklärung und Ihrer Abgründe. Um Sabina Spielrein (Keira Knightley) von ihren aggressiven und hysterischen Anfällen zu kurieren, wendet C.G. Jung (Michael Fassbender) die neue Methode der Psychoanalyse an. Bei der Erforschung des Lebens und der Leidenschaften der jungen Frau erkennt Jung auch seine eigenen unterdrückten Gefühlr. Zwischen Therapeut und Patientin entsteht “Eine dunkle Begierde”, die sowohl die Ehe als auch die Reputation des bekannten Arztes zu zerstören droht.

Sigmund Freud (Viggo Mortensen), mit dem Jung seit er sich in Sabina verliebt hat in Briefkontakt steht, soll ihr Lehrer werden. Der ehrgeizige Vater der Analysetechnik erliegt ebenfalls der Anziehungskraft Sabinas und erfährt so, dass seine Methode auch eine dunke Seite hat. Seine Beziehung zu Jung bekommt feindschaftliche Züge. Die Spannungen der Dreiecksbeziehung werden noch gesteigert durch einen weiteren Patienten Jungs: Otto Gross (Vincent Cassel), auch Psychiater, fordert mit seiner dominaten Persönlichkeit die drei Anderen immer wieder zur Überprüfung ihrer eigenen Ansichten heraus.

Ein durchwegs perfekt gespieltes klar und pointiert serviertes Dialogdrama, unter dessen sorgfältig gestaltetem Szenario die gewalttätigen Gefühle hochkochen: Wie Fast Company und M. Butterfly ein heimliches Hauptwerk des Kultregisseurs

Foto: Viennale

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