Seit 1962 treiben Mick Jagger, Keith Richards, Ron Wood und Charlie Watts ihr Unwesen auf den Bühnen dieser Welt. Zwischendurch gab es immer wieder Besetzungswechsel. Sie haben den Rolling Stones nie geschadet. Im Gegenteil: Die Band hat Musikgeschichte geschrieben und ist heute noch so umtriebig wie vor 40 Jahren.

Ganze 35 Platten, darunter zahlreiche Livealben, hat die Band herausgebracht. Einige waren nur in den USA oder Großbritannien erhältlich, EPs, Compilations und Singles sind nicht mit berechnet. Ein wahrer Berg an musikalischem Schaffen. Der Journalist Steve Appleford hat sich dem Werk der wohl ältesten Rockband der Welt (derzeit erreichen die vier Herren ein Gesamtalter von 266 Jahren) angenommen und hat die Geschichten hinter den einzelnen Songs ihrer Musikkarriere niedergeschrieben.

Dabei arbeitet er sich an 22 Alben ab und nimmt die wichtigsten Songs jeder dieser Platten genau unter die Lupe. Auf der jeweils ersten Seite eines neuen Albums fasst Appleford die wichtigsten Daten wie Aufnahmezeitraum und -ort, ausführende Produzenten sowie beteiligte Musiker und enthaltene Stücke der Scheibe zusammen. Immer wieder schauen der junge Mick, Charlie, Keith oder Ron von den Seiten. Die Fotos zeigen nicht nur, wie jung die Herren vor etlichen Jahrzehnten waren. Sie zeichnen auch die Karriere und die wichtigsten Momente der berühmten Band nach.

Eine Band sagt ihre Meinung

Nebenbei erzählt Appleford die Geschichte der Stones, von den Anfängen in der Bluesszene im London der 1960er bis hin zu den ersten Auftritten in Amerika oder den zahlreichen Frauengeschichten, die die Herren über die Jahre angehäuft haben. Die Frauen waren es auch, die viele der Stones-Songs beeinflusst haben.

So ist der Song Stupid Girl vom Album Aftermath laut Appleford Jaggers damaliger Freundin Chrissie Shrimpton gwidmet, die Jagger in dem Stück übel beleidigt und später, im realen Leben, für die Sängerin Marianne Faithful verlässt. Lady Jane, vom selben Album hingegen schlägt sanftere Töne an. Die Stones bewiesen damit, dass sie den Spagat zwischen harschen Gitarrenriffs und bösen Texten (Under my Thumb) und sanften Balladen durchaus zu schaffen vermochten. Dabei war Lady Jane keineswegs einer aktuellen Freundin gwidmet, sondern eine musikalische Ode an Jane Seymor, der dritten Frau Heinrichs des VIII.

Auf der Platte Beggars Banquet von 1968 zeigt sich der Einfluss Bob Dylans auf die Rolling Stones. Der Singer/Songwriter war mit seiner Musik und seinen vielschichtigen Texten ein Vorbild für viele Künstler. Auch die Stones konnten sich dem nicht entziehen. So zeigt vor allem der Song Jigsaw Puzzle den deutlichen Einfluss Dylans.

Immer wieder Frauen und ganz viel Gefühl

Ein Meilenstein ihrer Karriere ist das Album Sticky Fingers. Pop-Art-Ikone Andy Warhol entwarf für die Band das Cover, einen prall gefüllten Männerschritt in Jeans mit funktionsfähigem Reißverschluss. Auch hier nahmen die Frauengeschichten der Stones eine zentrale Rolle ein. Wild Horses, einen der schönsten Stones-Songs, widmete Jagger Marianne Faithfull. Die entging kurz zuvor dem Tod durch eine Überdosis Heroin. Ursprünglich schrieb Keith Richards das Lied für seinen gerade geborenen Sohn. Jagger textete es um, behielt nur die Refrainzeile und landete einen Hit mit Tiefgang und Emotionen.

Auf dem Album Some Girls besingt Jagger seinen Schmerz und Kummer um Freundin Bianca in dem Song Miss You. Die Frauen ließen den Musiker einfach nicht los. Glückliche Beziehungen führte er kaum, seine Freundinnen wechselten ständig. Auf Emotional Rescue darf dann auch Keith Richards ans Mikro und besingt mit Reibeisenstimme seine gescheiterte Beziehung zu Anita Pallenberg, der Mutter seiner zwei Söhne. Zahlreiche dieser Geschichten hat der Musikjournalist zusammengetragen. Alben wie Voodoo Lounge, Bridges to Babylon, A Bigger Bang oder auch frühere Werke wie Between the Buttons oder The Rolling Stones finden in seinem Buch Beachtung.

Appleford ist damit ein spannendes Buch gelungen, dass nicht nur Stones-Fans gefallen wird. Immerhin ist die Geschichte der Band auch ein großes Stück aufregende und geballte Musikgeschichte. Bis heute sind Jagger und Co. aktiv im Musikbusiness unterwegs und prägen mit ihren Songs auch viele junge Bands. Akribisch und spannend hat der Autor Fakten und Hintergründe recherchiert und zusammengetragen. Was fehlt, ist eine passende Alben-Sammlung zum Buch, denn unweigerlich möchte man jeden Song, über den man gerade gelesen hat, auch hören um besser zu verstehen.

Autor: Steve Appleford
Titel: The Rolling Stones – Die Storys zu allen Songs
Verlag: Edel/Rockbuch
Umfang: 368 Seiten
Preis: 19,95 Euro
Erscheinung: April 2011

Quelle:
Nachrichten
Medien Nachrichten
Rolling-Stones-Buch – Musikgeschichte zwischen zwei Deckeln

Tags: Band | Buch | Keith Richards | Kunst | Mick Jagger | Rolling Stones



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