Filmemacherin Olga Delane, die bereits in „Endstation Krasnokamensk – Ein Heimatbesuch“ ihre Heimat erforscht hat, macht es sich als Berliner Single nun zur Aufgabe, uns die „Liebe auf sibirisch“ näher zu bringen. Nach 20 Jahren in Deutschland lebend besucht sie ihre Verwandten in dem sibirischen Dorf Onon-Borzya, 1000 km östlich des Baikalsee.

Sie ist 35, hat keinen Ehemann und keine Kinder – was braucht eine Frau um glücklich zu sein? Unerfüllt ist in den Augen der Verwandtschaft nur Olga: „Olga, was läuft in Berlin bloß falsch, das ihr dort keine Kinder gebären wollt?“, denn „ohne Ehemann und Kinder, bist Du keine richtige Frau!“. Zeitgenössische Bequemlichkeiten, wie z.B. Dating-Apps sind im Dorf ebenso unbekannt, wie der Feminismus selbst. „Feminismus? Was ist das?“. Werte, Bräuche und Ideale, das sind die Pfeiler, die dem Leben einen Sinn und dem Menschen im Alltag Halt geben.

Mit viel Liebe und Verständnis gewinnt Delane die Zuneigung ihrer Verwandten und kommt ihnen näher. Offen beantworten die robusten Frauen und kraftvollen Männer alle Fragen über ihre intimsten Geheimnisse und Sehnsüchte. Bereitwillig sprechen sie über Beziehungen, Sex und das Kinderkriegen und darüber, wie es früher einmal war. Der Zuschauer kann spüren, dass Delane behutsam um eine Annäherung der beiden Kulturen kämpft, in denen sie selbst zu Hause ist, während cineastische Landschaftsaufnahmen die wilde Romantik des sibirischen Landlebens befeuern.
Es sind die starken Frauen, die Delane am meisten beeindrucken. Denn unter der mitunter gewaltbereiten und schlagenden Hand ihrer Männer bestimmen sie den Lebensrhythmus. Natürlich ist die Lage weder auf der einen noch auf der anderen Seite des offensichtlichen Culture Clashs einfach oder gar frei von Widersprüchen. Während es in „Liebe auf sibirisch“ vordergründig um festgefahrene Einstellungen geht, entstehen wie nebenbei Momente des Loslassens und des sich Hineinfallens in dieses rauh-schöne dörfliche Miteinander.

„Liebe auf sibirisch“ ist eine bittersüße, tiefe und einfühlsame Beobachtung des Lebens in einem kleinen abgelegenen sibirischen Dorf und ein liebevoller Einblick in die russische Seele. Ein Film mit Humor, Schönheit und – in der Tat – mit Liebe und Glück, der uns unverfälschte Einblicke in das Liebesleben eines sibirischen Dorfes gibt. Der Zuschauer erlebt diese Welt emotionalisierend aus einer ganz persönlichen Perspektive, die nach dem Sinn traditioneller Beziehungsmodelle für das Hier und Heute sucht.

Hintergrund: Die Arbeiten an „Liebe auf sibirisch“ begannen 2010. Olga Delane fuhr mit eigener Kamera nach Sibirien und recherchierte über fünf Jahre lang. Diverse im Film erhaltene Szenen wurden dabei bereits gedreht. Die Dreharbeiten mit dem Berliner DoP Nikolai von Graevenitz begannen 2015. Der Rundfunk Berlin-Brandenburg beteiligte sich im gleichen Jahr in Zusammenarbeit mit Arte als Koproduzent. „Liebe auf sibirisch“ wird auf dem renommierten Sendeplatz „Lucarne“ laufen, der für erlesene künstlerische Autoren-Dokumentarfilme reserviert ist. Die deutsch-französische TV-Erstausstrahlung ist für Sommer 2018 geplant.
Weiterer Koproduzent ist Aljazeera Documentary Channel. „Liebe auf sibirisch“ wurde von Nordmedia gefördert.
Regisseurin Olga Delane und Produzent Frank Müller nahmen an folgenden Media geförderten europäischen Workshops und Pitchings teil: Eurodoc 2015, East Doc Platform 2015, Baltic Sea Forum 2015.
Seine internationale Weltpremiere feierte „Siberian love“ (engl. Titel) im November 2016 auf der IDFA Amsterdam. Weitere Festivalaufführungen: Achtung Berlin, Docs Barcelona, Against Gravity Polen, Filmfest Hamburg, Message to Man St. Petersburg,  Flahertina Perm, Moldox Moldawien, Jean Rouch Paris, Margaret Mead NYC, Filmfestival Osnabrück, Jameson CF Miskolc Ungarn, Anthropological Festival Jerusalem, Artdoc Festival Moskau.

Kinostartpremierenfeier: 07.10.2017
Kinostart: 16. November 2017

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