Eine Ausstellung mit Werken der Malerin Irene Brann ist vom 27. Januar bis 16. März 2012 im Kunstfoyer des Kulturrathauses zu sehen. Gezeigt werden Bilder verschiedener Genres wie Blumen- und Landschaftsmalerei, Porträts sowie abstrakte Kunst. Die Vernissage zur Ausstellung „Irene Brann – Kunst als Lebenselixier“ findet am 26. Januar um 18 Uhr, einen Tag vor dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, statt. Die Einführung übernimmt Thomas Kübler, Direktor des Stadtarchivs. Anschließend liest die Schauspielerin Karina Plachetka aus der Brann-Biographie „Fremdes beseelt“.

Geboren wurde Irene Brann am 13. Februar 1912 in Dresden. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Dresden. Aufgrund ihrer halbjüdischen Abstammung litten sie und ihre Familie unter der judenfeindlichen Politik des NS-Regimes. Ihr Vater kam ins Konzentrationslager Buchenwald, das Geschäft ihres jüdischen Großvaters, er war Hofjuwelier in Dresden, wurde enteignet. Sie erlebte die Reichspogromnacht und sah die Synagoge brennen. Im Januar 1939 floh Irene Brann nach Bolivien. Mit ihrer Flucht verlor sie nicht nur ihre Heimat, sondern auch ihre Wurzeln. Sie fasste jedoch nach eigener Aussage sehr schnell Fuß in der weiten Welt und schloss mit dem Kapitel Heimat ab. Aufgrund des Erlebten hatte sie nie wieder das Bedürfnis, dauerhaft nach Dresden zurückzukehren. Sie betont allerdings, dass dies kein persönliches „Unversöhntsein“ war, sondern vielmehr ein schreckliches Gefühl Deutschland gegenüber: „Das ist keine Angst, sondern es ist einfach widerwärtig, unter Menschen zu sein, die damals diese Gräueltaten begangen haben. Das hat nichts mit Dresden zu tun, überhaupt nicht.“

In Bolivien arbeitete sie in ihrem in Dresden erlernten Beruf als Fotografin. Ihre Auftragsarbeiten umfassten u. a. Bilder von Land und Leuten, Marktszenen, Kirchenaufnahmen sowie Porträtfotografie für wohlhabende US-Amerikaner. In Peru nahm Irene Brann 1953 ihr Studium der Bildenden Kunst an der Academia de arte católico auf. Die Bilder dieser Zeit sind von ihrem Leben in Lateinamerika geprägt. Ende der 1960er Jahre beschlossen ihr Mann und sie nach Europa zurückzukehren. Sie entschieden sich für die Schweiz. Zunächst lebten sie in Lugano, später im eigenen Haus in Soglio, in dem sie bis heute lebt.

Kunst als Lebenselixier – mit dieser Aussage kann sich die Exil-Dresdnerin sehr gut identifizieren. Sie beschäftigte sich laut eigener Aussage mit keinem Thema bevorzugt, vielmehr wechselte sie stetig zwischen den Genres: „Wenn ich mich sehr stark und sehr lange auf ein abstraktes Bild konzentriert habe, dann hatte ich das Bedürfnis, figürlich oder naturalistisch zu arbeiten; eine Landschaft oder einen Blumenstrauß, und dann wieder zurück. Und dann kommt mir wieder eine Idee zu abstrakt. Es geht alles durcheinander.“

Ausstellungsdaten

Kulturrathaus, Königstraße 15, 1. Etage
Vernissage: 26. Januar 2012 um 18 Uhr
Dauer: 27. Januar bis 16. März 2012
Öffnungszeiten: Montag bis Donnerstag 8 bis 18 Uhr, Freitag 8 bis 17 Uhr

Buch zu Irene Brann

Irene Brann – Fremdes beseelt. Salm Verlag, ISBN: 978-3-7262-1424-1

Foto: Irene Brann, Unterwegs, Pastell auf Karton, 1971

468 ad