Osnabrück (ots) – Die Kraft der alten Mythen. Im Ruhrgebiet wurde nicht nur Stahl geschmiedet, sondern auch ein mächtiges Wir-Gefühl. Auch wenn die Fans von Schalke 04 und Borussia Dortmund der jeweils anderen Mannschaft selbst kleinste Erfolge von Herzen missgönnen – die harte Arbeit unter Tage oder am Hochofen hat die Menschen miteinander tief verbunden und eine Identität geschaffen, die selbst das Ende einer ganzen Industrieepoche überdauert. Der Ansturm auf die Fotos aus dem Krupp-Archiv belegt genau das. Mit diesen Bildern hat der ganze Pott sein Familienalbum.

Dieses Faktum erlaubt zwei Lesarten. Die Positive: Das Wir-Gefühl einer gebeutelten Region ist intakt. Mehr noch. Endlich schauen die Menschen an der Ruhr selbstbewusst auf ihre eigene Geschichte. Die Negative: Stahl und Kohle sind passé. Aber es fällt den Menschen schwer, von hergebrachten Mythen zu lassen. Identität wird zum selbst gewählten Gefängnis. Im Jahr nach der Kulturhauptstadt „Ruhr 2010“ bleibt die Frage offen, inwieweit Kultur das Selbstgefühl einer ganzen Metropolregion verändern kann. Die Krupp-Ausstellung liefert Material für gegensätzliche Antworten. Mehr nicht.

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