Ihr aktueller Film heißt The Help. Es geht um die amerikanischen Südstaaten in den 1960er Jahren, wo schwarze Frauen als Menschen zweiter Klasse behandelt werden und sich dennoch um die Kinder von weißen Müttern kümmern müssen. Der Film ist sehr anrührend, man kann zwei Stunden durchheulen. Wie haben Sie reagiert, als Sie ihn zum ersten Mal gesehen haben?

Emma Stone: Wir haben das Skript gelesen und waren in den Szenen, deshalb ist es für uns ziemlich schwer, so zu reagieren, weil wir sehr nah dran sind.

Viola Davis: Wenn ich mir erlaube, nicht überkritisch und pingelig mit mir selbst zu sein, dann berühren mich sehr viele Szenen. Aber meistens ist es einfach schwer, sich selbst auf der Leinwand zu sehen.

Immer noch?

Davis: Machen Sie Witze?

Stone: Es wird immer schlimmer.

Davis: Ich kann mir nicht vorstellen, wie sich Schauspieler fühlen müssen, die seit 40, 50 Jahren im Geschäft sind. Man sieht sich selbst altern.

Stone: Die ersten paar Male war ich aufgeregt, habe mich gefreut: Hey, ich bin in diesem Film! Aber mit der Zeit ist das immer schlimmer geworden.

Emma, wie hat Michelle Obama der Film gefallen? Die Präsidentengattin hatte Sie ja ins Weiße Haus eingeladen.

Stone: Ich glaube, sie liebt den Film. Ihre älteste Tochter hatte das Buch gerade in der Schule gelesen. Deshalb haben Mrs. Obama, ihre Mutter und Melia den Film zusammen geschaut. Sie ist so eine warmherzige, nette Person. Kann sein, dass sie deshalb einfach nur behauptet hat, dass sie den Film mochte.

Sie haben The Help also gar nicht mit ihr zusammen geguckt?

Stone: Sie war da und hat den Film vorgestellt, dann ist sie aber nach Camp David (Erholungsort für den Präsidenten in Maryland, Anm. d. Redaktion) gefahren.

Sie sind für viele komödiantische Rollen bekannt. Wieso haben Sie sich nun für diesen Film entschieden?

Stone: Ich habe mich nicht für den Film entschieden. Man war so nett, mich mitspielen zu lassen. Ich wollte wirklich dabei sein, darüber musste ich gar nicht nachdenken, aber man weiß nie, ob man die Rolle auch bekommt. Ich hatte einfach Glück. Ich denke übrigens nicht: Das ist ein gutes Drama oder das ist eine gute Komödie. Man verliebt sich in die Geschichte oder in den Charakter, den man spielt. Ob der jetzt lustig, traurig oder einsam ist. Man verliebt sich nicht in ein Genre. Und ich liebe die Geschichte, den Cast, den Regisseur. Das passt alles fantastisch zusammen.

Viola, wie haben Sie sich auf die Rolle des unterdrückten Dienstmädchens Aibileen vorbereitet, das von der weißen Familie schlecht behandelt wird?

Davis: Wir haben Dokumentationen über Hausmädchen geschaut, wie die Eyes On The Prize-Serie über die afro-amerikanische Bürgerrechtsbewegung. Ich habe außerdem jedes einzelne Buch über die 1960er in Amerika gelesen. Außerdem reichte es schon fast, in Mississippi zu sein. Wir waren einen Monat vor Drehbeginn dort, um zu proben. Wir haben dort gegessen, wir hatten Milch-Punch- und Moonshine-Partys. Wir sind in die Kultur dort eingetaucht. Als wir mit dem Drehen begonnen haben, war es, als ob wir dort wirklich leben.

Kennen Sie diese Geschichten der Rassentrennung, wie sie in The Help erzählt werden, aus dem Leben Ihrer Familie?

Davis: Oh ja, meine Mutter spricht ständig darüber.

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