In England hat er längst die Charts erobert. Jetzt gibt es das zweite Album von Professor Green auch in Deutschland. Hamburg festigt derweil mit Professor Green seinen Ruf als deutsche Pop-Hauptstadt. Malia verneigt sich vor Ella Fitzgerald. EmiSparsamkeit ist nicht gerade ein Begriff, den man mit Hip-Hop verbindet. Schließlich ist Hip-Hop das Genre, das den Pimp zum Übervater und das Protzen zum Prinzip gemacht hat. Sparsamkeit kann trotzdem eine sehr lohnende Methode sein, und kaum jemand hat das so gut verstanden wie Professor Green. Der Engländer weiß genau: Im Hip-Hop kann schon eine gute Idee pro Track ausreichen. Ein toller Beat, ein großer Refrain oder ein cleveres Sample – mehr braucht es manchmal nicht.

Diese Einsicht führt dazu, dass sein zweites Album At Your Inconvenience, das in England schon Platz 3 der Charts erreicht hat und am kommenden Freitag auch in Deutschland erscheint, ein ganz erstaunliches Werk geworden ist: ein Hip-Hop-Longplayer ohne Ausfälle, mit einem echten Spannungsbogen, humorvoll, schlau, abwechslungsreich und voll und ganz zeitgemäß. Zur Vielfalt der Platte gehört auch, dass Professor Green immer wieder andere Perspektiven einnimmt. Natürlich macht er gelegentlich (und gerne) auf dicke Hose, aber er macht sich auch immer wieder über sich selbst lustig und kann bereitwillig Schwäche zeigen. Dazu gibt er gelegentlich den unbeteiligten Erzähler oder analysiert als solcher den Stand der Dinge. Das ist nicht nur ungemein wohltuend – alles andere wäre auch unpassend im Post-Riot-Britain.

Nicht alles auf At Your Inconvenience ist ein Volltreffer, aber in seinen besten Momenten erreicht Professor Green die oberste Rap-Liga und kommt dahin, wo die Leute regieren, die weit mehr als eine gute Idee pro Track verarbeiten, wie die Beastie Boys, Outkast oder der Wu-Tang Clan. Der Titeltrack paart The Streets mit Eminem. D.P.M.O. wird zur Party-Hymne. Die Single Read All About It (gerichtet an den Vater, den er niemals kennen lernte) steckt voll trotzigem Optimismus. Astronaut hat ganz viel Pop-Sensibilität und Spinning Out kann mit einem Sample des Pixies-Klassikers Where Is My Mind? gar nichts falsch machen. So klingt dann wohl eine Hip-Hop-Lehrstunde.

Interpret: Professor Green

Album: At Your Inconvenience

Plattenfirma: Virgin

Veröffentlichungsdatum: 27. Januar 2012

Add-On-MusicCatharina Boutari ist Musikerin durch und durch: Sie lebt zusammen mit einem Musiker (Jan Rubach, ehemals bei Gamma Ray), sie ist eine Institution in der Musikszene ihrer Wahlheimat Hamburg und sie hat mit Pussy Empire ihre eigene Plattenfirma. Trotzdem hat sie seit 2008 keine Platte mehr veröffentlicht. Das hat mehrere Gründe. Erstens hat sie ein Kind bekommen. Zweitens musste eine neue musikalische Gestalt her, die sie nun mit Puder gefunden hat. Drittens haben die Lieder auf dem gleichnamigen Album einen langwierigen Reifeprozess durchlaufen. Die ersten Stücke entstanden schon 2009, im folgenden Frühjahr fing die Hamburgerin an, die Songs auf der Bühne auszutesten. Als es dann im Juni 2011 mit Produzent Florian Sommer ins Hamburger Rekorder-Studio ging, lief alles wie am Schnürchen: Innerhalb von drei Wochen war Puder im Kasten.

Puder hat ein bisschen was vom nordischen Charme und der schnoddrigen Bodenständigkeit von Ina Müller, vom meisterhaften Pop, der Boy (die ja immerhin zur Hälfte aus Hamburg kommen) noch immer reichlich Lob und Preise einbringt, und vom Glamour mit deutschen Texten, der Frida Gold weit nach oben in die Charts gebracht hat. Von Trittbrettfahren kann trotzdem keine Rede sein. Dafür ist das Album viel zu eigenständig und ausgereift. Selbst in den schwächeren Momenten hat Puder immer noch genug Stilsicherheit und gelegentlich viel zu gewagte Passagen, um Schlagerverdacht aufkommen zu lassen.

Die Single Großstadtkonkubinen bleibt ganz beschaulich mit Akustikgitarre, hat aber auch gar kein Schaumschlagen nötig. Das schmissige Straßenrand dürfte auch den Fans von Wir sind Helden gefallen. Bessere Töchter ist eine Abrechnung mit sämtlichen Schubladen, die es so für das weibliche Geschlecht gibt. Auch an vielen anderen Stellen ist Puder nicht bloß selbstbewusst, sondern forsch, manchmal sogar fordernd. Eine Platte, die Haare auf den Zähnen hat – im positiven Sinne.

Interpret: Puder

Album: Puder

Plattenfirma: Pussy Empire

Veröffentlichungsdatum: bereits erschienen

UniversalMalia beschert uns mit ihrem neuen Album Black Orchid bittersüße Jazz-Balladen. Die Britin mit afrikanischen Wurzeln verneigt sich auf dem Longplayer vor der großartigen US-Ikone Nina Simone, unter anderem mit Coverversionen von My Baby Just Cares For Me, If You Gow Away oder Four Woman. UniversalMalia beschert uns mit ihrem neuen Album Black Orchid bittersüße Jazz-Balladen. Die Britin mit afrikanischen Wurzeln verneigt sich auf dem Longplayer vor der großartigen US-Ikone Nina Simone, unter anderem mit Coverversionen von My Baby Just Cares For Me, If You Gow Away oder Four Woman.

Dass ihre Musik auf dem von ihr selbst produzierten Black Orchid etwas schwermütiger und melancholischer klingt als auf den Vorgängeralben, liegt nicht zuletzt an ihrer Reife. Auf dem neuen Werk bekommt Malia musikalische Unterstützung von französischen Musikern wie Alexandre Saada (Orgel, Piano, Kalimba und Vibrafonette), Jean-Daniel Botte (Kontrabass, Gitarre), Laurent Sériès (Schlagzeug) sowie Daniel Yvinec (Bass und Vibrafonette). Trotz Retro-Gedanken klingt Malias coole Hommage ungemein erfrischend.

Interpret: Malia

Album: Black Orchid

Plattenfirma: Universal

Foto: Emi

mik/cvd/news.de/dapd

 

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