Wagnerianer und „Ring“-Enthusiasten im Budapester Palast der Künste und die Ungarische Staatsoper feiert Richard Strauss Geburtstag. Ein Bericht von Clauspeter Koscielny

Man entdeckt sie mittlerweile weltweit, die unermüdlichen Wagnerianer, und ganz besonders stark formiert die „Ring“-Enthusiasten. Die „Zeit“ arrangiert Leserreisen nach Budapest und u.a. reisten die Richard Wagner Verbände aus New York und San Francisco an. Für diese Gruppen von Unerbittlichen ist Bayreuth längst nicht mehr die einzige Pilgerstätte. Gerade in diesen Jahren, in denen die fränkische Wagner-Heimstatt mit ihrer musikalisch wie auch szenisch widersprüchlichen „Ring“-Deutung Publikum und Presse verprellt, suchen und finden die weltweiten „Ringianer“ weitaus hör- und ansehbarere Alternativen, wie es auch die einzigartige Posterausstellung von „Ring“-Plakaten aus der Sammlung des international geschätzten Wagnerexperten Klaus Billard in den großzügigen Foyers der jedes Mal aufs neue faszinierenden Béla Bartók National Concert Hall mit ihrer singulären Akustik beim Opera Festival Wagner in Budapest Mitte Juni zeigte.

Man wusste, was man sehen wird,
denn Hartmut Schörghöfer, der, zusammen mit einem perfekt aufeinander eingespielten Produktionsteam die Tetralogie als kurzweiliges Multimedia-Spektakel auf die „nicht vorhandene“ Bühne im wahrsten Sinne des Wortes zauberte, war bereits vor zwei Jahren für seine außergewöhnliche, unkonventionelle aber nie modernistische Gesamtarbeit gefeiert worden. Sämtliche Stilmittel einer zeitgenössischen Bühnenrealisierung nutzend, ging der Inszenator mit der orchestralen Erzählweise von Adam Fischer eine werkgetreue Symbiose ein, der man von Beginn an schier verfallen war. Schörghöfers humanistische Botschaft ist ausschließlich in die Zukunft gerichtet. Wie wir damit umgehen, bleibt die Mahnung. Fischer, auch der Künstlerische Direktor des Festivals, entschied sich, alle vier Werke auf vier folgende Abende aufzuführen, so, wie Wagner es wünschte, man es aber leider so gut wie gar nicht mehr erleben kann. Selbstverständlich stellt das eine Herausforderung an alle Mitwirkende dar. Adam Fischer konnte sich auf seine MR Symphonic in jedem Moment verlassen, baute mit ihnen die Innendynamik des Zyklus von dem naturalistischen Sog des Beginns bis zur erschütternden Dramatik der Schlussszene feinfühlig und dennoch bewusst theatralisch wirksam auf. Diese Grundlage gab allen Sängern die notwendige Sicherheit, die maßgebend war, vokal auch Situationen brillant zu meistern, die alles an Kraft und Technik forderten. Trotz eines Bühnenunfalls und mit einer Gehhilfe war Iréne Theorin eine bemerkenswerte Brünnhilde mit anrührenden Phrasierungen sowie einem furiosen Schlussgesang. Petra Lang als Brünnhilde im „Siegfried“ konnte sich auf ihre topsicheren Höhen verlassen, ließ in der Mittellage jedoch die sonst von ihr gewohnte Ausgeglichenheit in den Registerwechseln vermissen. Auch Christian Franz als Siegmund und „Götterdämmerungs“-Siegfried verließ sich sehr auf seine bemerkenswerte Vokalkraft, verfügte allerdings als Loge über eine erzählstarke Zunge. Wohin gegen Jay Hunter Morris fast immer in der Lage war, den Charakter des Jung-Siegfried sympathisch herauszuarbeiten. Anja Kampe schenkte der Sieglinde eine jugendfrische Natürlichkeit mit strahlendem Sopran und vorbildlicher Diktion. Diese wird beim Wotan/Wanderer von Egels Silins immer gereifter, immer souveräner, und vielleicht auch deshalb geriet die Szene Wotan/Brünnhilde zu einem der unumstrittenen Höhepunkte des Festivals. Für einen weiteren sorgte Gerhard Siegel als Mime, der mit einer ungeheuren Ausdruckspalette und kraftvollem Tenor derart zu begeistern vermochte, dass man hier von einer absoluten Ausnahmeleistung sprechen muss! Erstaunlich stimmpräsent und ausdrucksvoll gab Hartmut Welker den Alberich, Judit Németh mit ausgewogenem Mezzosopran die Fricke, Erika Gál eine schlanke und dennoch pastose Erda, Marina Prudenskaya eine aufhorchen lassende Waltraute, Tünde Szabóki eine stimmresolute Freia, Erika Markovics eine sopranaktive Gutrune sowie Gabi Gál einen Waldvogel mit Zartheit und Süße. Alle Achtung gebührt auch den „Ring“-Urgesteinen Walter Fink (Hunding/Fafner), Oskar Hillebrandt (Donner/Gunther) und Kurt Rydl (Hunding), der mittlerweile überwiegend seine Bassesschwärze als Charakteristikum gezielt dominant einsetzt. Die weiteren Partien waren allesamt mehr als nur zufriedenstellend besetzt, wie auch der MR Chor und der Budapest Studio Chor für raumfüllenden Gesang sorgten.
Für zwei Aufführungen kehrte am Schluss des Festivals noch die „Tannhäuser“-Produktion von Matthias Oldag aus dem Jahre 2012 zurück, auch sie wurde erneut einhellig akklamiert.

Die Wiederkehr des 150. Geburtstags von Richard Strauss
machte die Ungarische Staatsoper zu ihrem Festivalanlass. Im Mittelpunkt stand die ungarische Erstaufführung der „Frau ohne Schatten“ in der ausstattungsprächtigen, einem modernen Märchen gleichen Inszenierung von János Szikora/Balázs Horesnyi/Kaati Zoób unter der Leitung von Péter Halász und einem umjubelten Gesangsensemble. Das Budapest Philharmonie Orchestra unter der Leitung von Pinchas Steinberg hatte mit der Interpretin Ricarda Merbeth bei den „Vier letzten Liedern“ das große Los gezogen. Mit je zwei Aufführungen von „Arabella“, „Salome“, „Ariadne auf Naxos“, „Der Rosenkavalier“ und „Elektra“ bewies die Staatsoper, dass sie diese großen Werke neben einigen internationalen Gästen (u.a. Manuela Uhl, Heiko Trinsinger, Kurt Rydel, Gerhard Siegel) überwiegend aus ihrem eigenen Ensemble (u.a. Eszter Sümegi, Ildikó Komlósi, Silvia Rálik, István Kovácsházi, Ildikó Raimondi, Tünde Szabóki) herausragend besetzen und somit einen originären Strauss-Klang offerieren kann, geprägt von der Zeichen setzenden Dirigentenriege Günther Neuhold, Pinchas Steinberg, Héja Domonkos, Jun Märkl und Stefan Soltesz. Nach „Zarathustra“-Klängen enthüllten Intendant Szilveszter Ökovàcs und Ungarns „Strauss-Kaiserin“ Eva Marton am 11.Juni vor dem Opernhaus feierlich die Strauss-Statue von Márk Lelkes. Von nun an also wacht der Meister selber über seine Werke, die an der Staatsoper Budapest stets einen festen Platz im Repertoire hatten und haben werden.
Budapest präsentierte sich mit diesen beiden Festivals einmal mehr als ausgewiesene Festspielstadt von internationalem Rang, deren Reize außerdem noch in diversen Rahmenprogrammen und ganz besonders in Ausstellungen zu finden sind. Noch bis Ende Juli ist in der Ungarischen National Gallery die Rarität des selbst in Ungarn nicht unbedingt populär zu nennenden, eigenwilligen Expressionisten Gyula Derkovits (1894-1934), „Derkovits – Der Künstler und seine Zeit“ und bis Ende August im Museum der Schönen Künste „Die Welt des Toulouse-Lautrec“ zu sehen.

Neugierig macht die Festival-Vorschau auf 2015! Erneut wird beim Wagner Festival der „Ring“ gezeigt und als Neuinszenierung voraussichtlich „Der fliegende Holländer“, und in der Staatsoper steht ein Festival mit dem Thema „Faust“ an.

Alle Details zum nächsten Jahr unter www.mupa.hu sowie www.opera.hu

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