Dass Amy Winehouse einen Tag nach der Veröffentlichung von Miss Lis drittem Album Beats & Bruises tot in ihrer Wohnung aufgefunden wird, könnte der schwedischen Künstlerin auf fast makabre Weise zu plötzlichem Ruhm verhelfen. Denn was Miss Li auf ihrem Album macht, orientiert sich musikalisch stark an dem, was Amy Winehouse einst wieder salonfähig machte: klassischem Soul.

Dabei ist Miss Lis Stimme ganz anders, längst nicht so kraftvoll wie die Stimme auf der Amy Winehouse ihre kurze aber imposante Karriere aufbaute. Miss Li singt höher, brüchiger, schwächer. Amy Winehouse drückte ihre Emotionen mit ihrer starken Stimme aus. Miss Li lebt aus ihrer Schwäche – beides ist Soul.

Was die musikalische Unterstützung der Stimme angeht, die Instrumentierung und die enge Produktion, ist Miss Li noch näher an Amy Winehouse Höhepunkten und damit weit besser als alles, was man in den letzten Jahren von der Engländerin hören konnte. Beats & Bruises ist ein herausragendes Soul-Album. Es gibt poppige Hits, die zum Tanzen auffordern wie My Man oder Shoot Me. Es gibt gefühlvolle Nachdenker wie Are You Happy Now und es gibt Instant-Klassiker wie das Eröffnungsstück Devil’s Taken My Heart. Es wirkt, als hätte Miss Li dieses Album Amy Winehouse zu Ehren geschrieben. Dabei war Beats & Bruises längst fertig als Amy Winehouse starb.

Interpret: Miss Li
Album: Beats & Bruises
Plattenfirma: Devilduck (Indigo)
Erscheinungsdatum: 22. Juli 2011

Wenn von Gomez die Rede ist (nicht dem Fußballer, sondern der Band aus Southport), dann hört man ganz oft das Wort

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